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HINTERGRUND

Die Gewinner

Den 1. Platz belegte Baris Öztürk (21) aus Aachen mit seinen „Briefen an Selma“.

Den 2. Platz teilten sich Amelia Umuhire (16) mit ihrem Essay „Amahoro“ (Frieden) aus Duisburg und Hilke Effinghausen (18) aus Schwarmstedt mit ihrer Kurzgeschichte „Edelweiß und Galgenstrick“.

Den 3. Platz erreichten Jessica Goos (15) aus Weinheim mit ihrem Beitrag „Die letzte Zugfahrt“ und Filiz Wetterau (13) aus Honigsee mit ihrem Gedicht „Wie ein Vogel im Käfig“.

Sonderpreise gingen an Marie Barkowsky (11) aus Berlin sowie Caroline Hasselmann (13) aus Erlangen.

 

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Selma Meerbaum-Eisinger
Ein handgeschriebenes Buch mit 57 Gedichten über Liebe, Ängste und Träume eines jungen Mädchens übersteht durch Glück und die Treue einer Freundin den Holocaust. Die jüdische Autorin des Gedichtbandes mit dem Titel „Blütenlese“, heißt Selma Meerbaum-Eisinger. Sie stirbt 1942 im Arbeitslager Michailowska im Alter von 18 Jahren.

Selma war die Tochter eines Ladenbesitzers in Czernowitz (Ukraine). Schon früh begann sie mit der Lektüre jener Autoren, die großen Einfluss auf ihr eigenes Werk ausübten: Heinrich Heine und Rainer Maria Rilke.

1939 – also mit 15 Jahren - begann sie, Gedichte zu schreiben. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen wurde die Familie gezwungen, im Ghetto der Stadt zu leben. 1942 wurden sie in das Arbeitslager Michailowka deportiert, wo Selma noch Ende des Jahres an Flecktyphus starb.

Selmas Gedichte
In reiner, klarer und eindringlicher Sprache erzählen Selmas Gedichte von den Gefühlen und Träumen eines jungen Mädchens an der Schwelle zum Erwachsenwerden und über das zarte Glück der ersten Liebe. Die Ehrfurcht vor der Schönheit und lebendigen Kraft der Natur sind genauso Thema wie die Allgegenwärtigkeit von Tod und Trauer. Ihre Gedichte gewähren tiefe Einblicke in ihre Gefühlswelt. Sie sind zugleich Zeugnis eines menschenverachtenden Systems, das dem Einzelnen keinen Freiraum zur Entfaltung der eigenen Lebensvorstellungen ließ und dem unzählige Menschen unschuldig zum Opfer gefallen sind. Gewidmet hat Selma ihren Gedichtband ihrer großen Liebe - dem ein Jahr älteren Lejser Fichman, den sie in Czernowitz kennengelernt hatte.

Ein Buch kommt in Deutschland an
Renée Abramovici, eine Freundin Selmas aus dem Arbeitslager, gelang die Flucht. Zu Fuß, mit dem Pferdewagen, auf Dächern von Personenzügen schlug sie sich quer durch Europa: durch Polen, Ungarn, die Tschechoslowakei, über Österreich und Deutschland nach Paris. 1948 erreichte sie auf dem Schiffsweg Israel, in ihrem Rucksack trug sie Selmas handgeschriebenen Gedichtband “Blütenlese”.

Ein 1968 in der DDR erschienenes Buch sorgte für die Entdeckung von Selmas Gedichten. Der Herausgeber hatte durch Zufall zwei ihrer Gedichte in Bukarest gefunden. Eines druckte er ab, ohne zu ahnen, was er damit in Bewegung brachte. Hersch Segal, 1940 Selmas Klassenlehrer, las dieses Buch in Israel und wandte sich an seine ehemalige Schülerin Renée Abramovici-Michaeli, die ihm von Selmas Gedichtband erzählt hatte. Hersch Segal brachte mit Unterstützung von Renée Abramovici-Michaeli alle erhalten gebliebenen Gedichte Selmas nach dem Krieg unter dem Namen “Blütenlese” heraus.

1980 gelangte der Gedichtband in die Hände von Jürgen Serke, der aus der abenteuerlichen Reise des Buches für den stern einen Artikel schreibt. Der Gedichtband „Blütenlese“ wird daraufhin erneut beim Verlag Hoffman und Campe abgedruckt.

Die Vertonung von Selmas Gedichten
Der schweizer Künstler David Klein, dem „Blütenlese“ zufällig in die Hände fiel, konnte Musiker wie Xavier Naidoo, Yvonne Catterfeld, Thomas D, und Sarah Connor, dafür begeistern, die Gedichte Selmas zu vertonen und zu interpretieren. Die Lieder brachte er im März 2007 auf einer CD bei Sony BMG heraus.

Selma Gedenken
Selma Meerbaum-Eisinger wäre heute 83 Jahre alt - wie ihre Freundin Renée Abramovici-Michaeli, die bis vor wenigen Jahren in einem Badeort zwischen Tel Aviv und Haifa wohnte. Die Bankangestellte bewahrte die Originalgedichte Selmas in einem Tresor auf. Den Einband des Albums ziert ein Blumenmuster. Die Gedichte, fast alle datiert, sind mit Bleistift geschrieben. Winzige Schriftzüge. Einige Seiten sind leer. Ihr letztes Gedicht in dem Album lautet:

Das ist das Schwerste: sich verschenken
und wissen, dass man überflüssig ist,
sich ganz zu geben und zu denken,
dass man wie Rauch ins Nichts verfließt.

Darunter mit rotem Stift und offensichtlich in Eile ergänzt steht: »Ich habe keine Zeit gehabt zu Ende zu schreiben ... «. Selma wurde an einem Juni-Sonntag im Jahre 1942 deportie

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POEM

Ich möchte leben.
Ich möchte lachen und Lasten heben
und möchte kämpfen und lieben und hassen
und möchte den Himmel mit Händen fassen
und möchte frei sein und atmen und schrein.
Ich will nicht sterben. Nein.
Nein...

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